Jedes Foto hält einen Augenblick fest. Bei Motiven, die sich in Bewegung befinden, stellt sich jedoch zu Recht die Frage, weil lange ein Augenblick währt. Denn tatsächlich benötigt die Kamera für die Aufnahme einen definierten Zeitraum, die Belichtungsdauer. Wenn sich das Motiv oder Teile davon während dieser kurzen Zeitspanne bewegen, ist das Resultat ein unscharfes verwischtes Foto. Dieser Effekt kann in bestimmten Fällen erwünscht sein, etwa um die Dynamik einer Aktion hervorzuheben. Ist sie unerwünscht, muss die Belichtungsdauer an die Bewegung des Motivs angepasst werden.

Belichtungszeit und Motiv

Grundsätzlich ist es möglich, durch eine sehr kurze Belichtungszeit wie etwa einer tausendstel Sekunde, nahezu jedes bewegte Motiv scharf abzubilden. In der Regel ist dies aber aufgrund der Lichtverhältnisse nur unter günstigen Bedingungen möglich. Es empfiehlt sich daher, im Vorfeld Überlegungen zur erforderlichen Dauer der Belichtung anzustellen.

Diese hängt von der relativen Bewegungsgeschwindigkeit ab. Je weiter ein Motiv entfernt ist, umso kleiner ist der Bereich, den es während der Belichtungsdauer tangiert. Die Aufnahme eines Autorennens als Übersichtsaufnahme verträgt eine lange Belichtungszeit, während die Detailaufnahme eines Überholvorganges, der nah herangezommt wurde, nur kurz belichtet werden sollte.

Auch das Motiv selbst kann für die Wahl der Belichtungszeit relevant sein. Treten im Motiv viele kleine Elemente mit unterschiedlicher Bewegungsrichtung und unterschiedlicher Geschwindigkeit auf, etwa wenn Wassertropfen bei der Aufnahme eines Turmspringers aufspritzen, muss die Belichtungsdauer sehr klein sein. Grundsätzlich gilt, dass bei Aufnahme bewegter Objekte keinesfalls länger als 1/250 Sekunde belichtet werden darf. Meist sind sogar Zeiten von 1/500 Sekunde und kürzer notwendig, um bewegte Motive scharf abzubilden. Um dies zu bewerkstelligen, sind mehrere gegensätzliche Effekte in Betracht zu ziehen

Belichtungszeit kurz halten

Ein wesentlicher Parameter ist hierbei das Licht. Bei hellem Sonnenlicht ist es vergleichsweise einfach, eine kurze Belichtungsdauer zu erreichen. In der Dämmerung oder bei stark bewölktem Himmel kann dies jedoch Schwierigkeiten bereiten.

Ein bewährtes Mittel, um auch unter solchen Bedingungen scharfe Fotos von bewegten Motiven zu erhalten, ist der Einsatz von Kunstlicht in Form eine Blitzgerätes. Nachteilig hierbei ist die begrenzte Reichweite des Blitzes, sodass die künstliche Aufhellung nur für nahe Objekte taugt.

Der zweite wesentliche Punkt ist die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Je höher die Lichtempfindlichkeit, umso kürzer kann bei konstanten Lichtverhältnissen die Belichtungsdauer eingestellt werden. Natürlich beeinflusst auch die Öffnungsweite der Blende die erforderliche Zeit für die Aufnahme.

Bei der Motivgestaltung ist dieser Punkt von sehr großer Bedeutung für das Foto, denn die Öffnungsweite der Blende ist auch für die Tiefenschärfe verantwortlich. Bei einer kleinen Blendenöffnung wird eine große Tiefenschärfe erzielt, wozu jedoch die Belichtungsdauer erhöht werden muss. Bei großer Blendenöffnung kann die Belichtungszeit reduziert werden, gleichzeitig vermindert sich aber der Bereich der Tiefenschärfe. Hier muss der Fotograf sehr genau abwägen und gegebenenfalls ein leichte Bewegungsunschärfe in Kauf nehmen.

Bewegungen ausgleichen

Unter bestimmten Umständen, insbesondere im Bereich der Sportfotografie, kann der Fotograf aus der Not aber eine Tugend machen, indem er eine lange Belichtungszeit wählt und die Kamera während der Belichtungsdauer mit dem Motiv bewegt. Dieses ?Mitziehen? ist bei Aufnahmen von Rennereignissen ein gutes Mittel zur fotografischen Erfassung von Bewegungen. Es erfordert allerdings einige Übung und Geschick. Im Ergebnis ist das eigentliche Motiv weitgehend scharf, während die Umgebung verwischt erscheint.

Diese Technik ergibt ausgesprochen dynamische Aufnahmen, die den Betrachter die Geschwindigkeit der Bewegung erahnen lassen.

Eine Antwort

  1. Pepe

    Super Artikel! Habe das mit dem „mitziehen“ auch intuitiv am Nürburgring gemacht, klappt ganz gut und wie beschrieben bzw. zu sehen gibt es einen schönen Effekt.

    Werde die anderen Tipps beim nächsten mal ebenfalls beherzigen!

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