Seit einigen Wochen bestaunt die Welt ein Naturspektakel der besonderen Art: Einen Vierfachausbruch von Vulkanen auf der ostrussischen Halbinsel Kamtschatka, einem fast menschenleeren Gebiet, das von der UNO als UNESCO-Weltnaturerbe ausgewiesen wurde. Die vier Vulkane heißen Tolbatschik, Schiwelutsch, Besymjanny und Kisimen. Der Tolbatschik ist dabei der einzige Vulkan des Typs ?Schildvulkan? – bei den anderen handelt es sich um Schichtvulkane.

Aufnahmen vom Ausbruch der oben genannten Vulkane finden Sie auch hier. In mittlerer Auflösungsqualität werden hier 360°-Panoramabilder in Videoform gezeigt. Der Blickwinkel kann durch ziehen der Maus über den Bildschirm beiebig verändert werden.

Nach der Reihe sind die ausbrechenden Vulkane in bergigem Land aus Eis gezeigt, Lavaströme runden die wilde Ästhetik glutspeiender Vulkane ab. Beim Betrachten des Kurzfilms entsteht der realistische und lebensnahe Eindruck beängstigender Naturgewalt und rauher Schönheit.

Warum kam es zum Ausbruch?

Hintergrund des Ausbruchs ist die massive, geologische Aktivität in dieser Region: Hier schiebt sich mit einem jährlichen Fortschritt von bis zu 13 Centimeter die pazifische Kontinentalplatte unter die eurasische Platte. Geologisch und vulkanologisch betrachtet dehnt sich das Gebiet, auf dem dieser Prozess stattfindet, von Kamtschatka über Japan bis nach Ozeanien in den Südpazifik aus, wo seit Beginn der vulkanologischen Aufzeichnungen zahlreiche Vulkanausbrüche registriert wurden ? auch unter der Wasseroberfläche. Denselben Aktivitäten zuzuschreiben ist der schwerste, bekannte Vulkanausbruch, der je aufgezeichnet wurde: Die Eruption des berühmten Krakatau in Indonesien in der Nacht vom 27. auf den 28. August des Jahres 1883, infolge derer 18 Kubikkilometer Gestein in die Atmosphäre geschleudert wurden.

Kamtschatka weist jedoch aus einem weiteren Grund außerordentlich starke, vulkanische Aktivitäten auf: Hier drückt sich zusätzlich zu Eurasien und der pazifischen Kontinentalplatte die arktische unter die Gesteinsschicht. Obwohl die Halbinsel Kamtschatka nur ca. 2,2% des gesamten Staatsgebietes der Russischen Föderation darstellt, befinden sich fast zwei Drittel aller regelmäßig aktiven Vulkane in Russland auf Kamtschatka. Keine andere Region der Erde verfügt über eine ähnlich dichte, vulkanische Aktivität.

Vulkane als Fotomotiv

Seit längerem bereits haben Vulkanforscher die Halbinsel für sich entdeckt. Die Neugierde wird durch den Ausbruch vierer Vulkane zur gleichen Zeit angeheizt. Jetzt sind die vier Vulkane insofern zum Gegenstand der Forschung geworden, dass man herauszufinden gedenkt, warum die Ausbrüche praktisch zur gleichen Zeit stattfanden. Es steht dabei die Vermutung im Raum, dass die Vulkane unterirdisch über Hunderte Kilometer miteinander verbunden sein könnten.

Diese Entdeckung wäre nichts völlig Neuartiges. Die vulkanischen Aktivitäten auf Island sind zum Beispiel gut erforscht; man hat beobachten können, dass Vulkane in sogenannten „Vulkansystemen“ auftreten. Meistens jedoch verfügen solche Systeme über einen Zentralvulkan, der sich durch das größte Fassungsvolumen der Magmakammer auszeichnet. Erst kürzlich haben Geologen der Universität Nürnberg entdeckt, dass auch in ein Oberfranken ein solches Vulkansystem mit Zentralvulkan existiert, welches aber glücklicherweise seit mehr als einer Million Jahre erloschen ist.

Dieser Fall des Zentralvulkans ist bei dem vermuteten Vierersystem allerdings nicht gegeben, wodurch dieses zur Besonderheit und damit Gegenstand eifrigen Forschungsinteresses wird. Aber auch in Zukunft wird Kamtschatka alleine aufgrund der Vulkandichte ein Reiseziel für Vulkanologen bleiben.

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